Hochwald review ✓ 109



4 thoughts on “Hochwald

  1. says:

    Erst passiert sehr lange nichts dann bricht das Unglück herein So ungefähr lässt sich die gesamte Dramaturgie von Adalbert Stifters Erzählung Der Hochwald in einem Satz zusammenfassen Die idyllische Natur des Böhmerwalds ist das tragende Element dieser Liebesgeschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg Ein Freiherr bringt seine zwei Töchter Clarissa und Johanna vor den nahenden Kriegshandlungen in Sicherheit indem er sie einem alten Freund anvertraut Dieser führt die beiden Mädchen mit ihrem Gesinde zu einem abgelegenen Bergsee wo sie in einer Hütte das Ende der Gefahr abwarten sollen Der überwiegende Teil der Erzählung besteht aus malerischen Beschreibungen der Waldeinsamkeit die sich aus heutiger Sicht nahe am Kitsch bewegen Allerdings erfreut sich solche Waldesoterik nebst Glauben an eine beseelte Natur auch in unseren modernen Zeiten einer ungebrochenen Popularität Man schaue nur mal auf den Bestseller Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben Im Grunde war Adalbert Stifter so etwas wie ein Vorgänger vom Förster der Nation denn bei ihm haben die Bäume schon damals miteinander gesprochen Menschen die öfters Waldduschen Das gibt es wirklich nehmen und gerne lesen wären mit Stifters Der Hochwald zweifellos gut beraten Der Rest der Handlung ist kaum der Rede wert Ein geheimnisvoller Jüngling tritt auf der die schöne Clarissa aus dem seelischen Gleichgewicht bringt Am Ende fließen Tränen und still ruht der SeeWenn es allein um die Naturszenen ginge wäre das Ganze noch zu ertragen Wirklich ungenießbar ist Stifters Darstellung der beiden Schwestern Clarissa und Johanna Er betreibt geradezu einen Jungfrauenkult um die beiden Schöne edle sanftmütige engelsgleiche Geschöpfe sind die Mädchen – Inkarnationen der Keuschheit Das sind keine glaubhaften Frauenfiguren sondern mit klebrigem Zuckerguss überzogene Phantasiegestalten W G Sebald hat in dem Zusammenhang noch auf eine weitere Dimension in Stifters Erzählung hingewiesen s Die Beschreibung des Unglücks Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke Er sieht in der auffälligen Betonung der Kindlichkeit im Text einen Ausdruck unausgelebter erotischer Wünsche Besonders eine Passage zwischen Ronald dem Jüngling und Clarissa sei dahingehend sehr aufschlussreich Es ist wahr Anfangs reizte mich bloß die ungewohnte Fülle und Macht aufsprossend in dem Kinderherzen daß ich prüfend und probend an sie trat daß ich die Kinderlippen an mich riß – aber eine Seele tief wild groß und dichterisch wie meine wuchs aus dem Kinde an mich daß ich erschrak aber nun auch mich im Sturme an sie warf namenlos untrennbar Gluth um Gluth tauschend Seligkeit um Seligkeit – Weib Du warst damals ein Kind aber die Kinderlippen entzückten mich mehr als später jede Freude der Welt sie glühten sich in mein Wesen unauslöschlich – ein Königreich warf ich weg um diese Kinderlippen  – und nun bin ich hier  um nichts auf der ganzen Erde mehr bittend als wieder um diese Kinderlippen Die Geschichte sei eigentlich eine Parabel von Jungfräulichkeit und Schändung Fortwährend sei die Rede von Vor und Hineindringen immer tiefer und tiefer in das Tal hinein Eine sicherlich provokante Interpretation die aber weitaus interessanter zu lesen war als Stifters langweilige Biedermeierprosa


  2. says:

    Die Erzählung ist eine kostbare Miniatur allerdings auf uns vom Duktus und stilistischen Gepräge antiuiert wirkend was vielleicht ja weniger gegen den Text als gegen uns spricht Da ist zum einen eine Geschichte über ein verheerendes Missverständnis das aber nur wie am Rande erzählt wird zum anderen gibt es da Figuren die auf uns so idealistisch wirken dass sie in ihrer porzellanenen Starrheit ständig zu zerbrechen drohen Und schliesslich sind da die ebenso detaillierten wie sinnstiftenden Schilderungen mit ihrer vielschichtigen Metaphorik die nicht nur ein genaues Bild der Landschaften vor dem inneren Auge erscheinen lässt sondern implizit eine Zivilisationskritik enthält wie sie viel direkter und offener im Nachsommer Thema ist


  3. says:

    Unglaublich plastische Sprache man fühlt förmlich die Landschaft Sehr beeindruckender Stil scheinbare oberflächliche Einfachheit und dennoch steckt sehr viel drin Insbesondere ist es beeindruckend zu sehen welche Abründe sich hinter der scheinbar heiter lieblichen Oberfläche zu finden sind man betrachte nur das sehr innige Verhältnis der Schwestern genauer ohne sich von der Wortwahl des Erzählers welcher alles in christlich religiöse Worte der Unschuld und Reinheit hüllt zu stark beeinflussen zu lassen Toll


  4. says:

    Ich hätte nich geglaubt dass ein Autor des Biedermeier heute so wirken kann Seine Naturbeschreibungen sind einfach genial er entfaltet kräftige Bilder und der oppulente überholte Sprachduktus ist wie eine angenehm schwere Tuchent die sich über dem heutigen Denglisch Business Trash legtDas er soziale Lagen ausklammert und Frauen auf ihr schönes kindlich sein verkürzt mag man kritisieren wenn man die Zeit beachtet in der dieses Buch geschrieben wurde


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Hochwald

summary Hochwald

En den Parteien einzusetzen Er hofft auf diese Weise die Zuneigung des seine Burg verteidigenden Vaters seiner Geliebten zu gewinnen und die Gefechte zu verhindern wird jedoch stattdessen selbst Opfer der Auseinandersetzung Unglaublich plastische Sprache man fühlt förmlich die Landschaft Sehr beeindruckender Stil scheinbare oberflächliche Einfachheit und dennoch steckt sehr viel drin Insbesondere ist es beeindruckend zu sehen welche Abründe sich hinter der scheinbar heiter lieblichen Oberfläche zu finden sind man betrachte nur das sehr innige Verhältnis der Schwestern genauer ohne sich von der Wortwahl des Erzählers welcher alles in christlich religiöse Worte der Unschuld und Reinheit hüllt zu stark beeinflussen zu lassen Toll Geometric Dimensioning And Tolerancing: Self Study Workbook plastische Sprache man fühlt förmlich die Landschaft Sehr beeindruckender Stil scheinbare oberflächliche Einfachheit und dennoch steckt sehr viel drin Insbesondere ist es beeindruckend zu sehen welche Abründe sich hinter der scheinbar heiter lieblichen Oberfläche zu finden sind man betrachte nur das sehr innige Verhältnis der Schwestern genauer ohne sich von der Wortwahl des Erzählers welcher alles in christlich religiöse Worte der Unschuld und Reinheit hüllt zu stark beeinflussen zu lassen Toll

free read ´ E-book, or Kindle E-pub î Adalbert Stifter

Der Hochwald ist eine Erzählung von Adalbert Stifter 18421844 Sie erschien erstmals in Iris Taschenbuch für das Jahr 1842 dann in überarbeiteter Fassung 1844 im Zweiten Band der StudienDer Hochwald erzählt eine scheiter Erst passiert sehr lange nichts dann bricht das Unglück herein So ungefähr lässt sich die gesamte Dramaturgie von Adalbert Stifters Erzählung Der Hochwald in einem Satz zusammenfassen Die idyllische Natur des Böhmerwalds ist das tragende Element dieser Liebesgeschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg Ein Freiherr bringt seine zwei Töchter Clarissa und Johanna vor den nahenden Kriegshandlungen in Sicherheit indem er sie einem alten Freund anvertraut Dieser führt die beiden Mädchen mit ihrem Gesinde zu einem abgelegenen Bergsee wo sie in einer Hütte das Ende der Gefahr abwarten sollen Der überwiegende Teil der Erzählung besteht aus malerischen Beschreibungen der Waldeinsamkeit die sich aus heutiger Sicht nahe am Kitsch bewegen Allerdings erfreut sich solche Waldesoterik nebst Glauben an eine beseelte Natur auch in unseren modernen Zeiten einer ungebrochenen Popularität Man schaue nur mal auf den Bestseller Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben Im Grunde war Adalbert Stifter so etwas wie ein Vorgänger vom Förster der Nation denn bei ihm haben die Bäume schon damals miteinander gesprochen Menschen die öfters Waldduschen Das gibt es wirklich nehmen und gerne lesen wären mit Stifters Der Hochwald zweifellos gut beraten Der Rest der Handlung ist kaum der Rede wert Ein geheimnisvoller Jüngling tritt auf der die schöne Clarissa aus dem seelischen Gleichgewicht bringt Am Ende fließen Tränen und still ruht der SeeWenn es allein um die Naturszenen ginge wäre das Ganze noch zu ertragen Wirklich ungenießbar ist Stifters Darstellung der beiden Schwestern Clarissa und Johanna Er betreibt geradezu einen Jungfrauenkult um die beiden Schöne edle sanftmütige engelsgleiche Geschöpfe sind die Mädchen – Inkarnationen der Keuschheit Das sind keine glaubhaften Frauenfiguren sondern mit klebrigem Zuckerguss überzogene Phantasiegestalten W G Sebald hat in dem Zusammenhang noch auf eine weitere Dimension in Stifters Erzählung hingewiesen s Die Beschreibung des Unglücks Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke Er sieht in der auffälligen Betonung der Kindlichkeit im Text einen Ausdruck unausgelebter erotischer Wünsche Besonders eine Passage zwischen Ronald dem Jüngling und Clarissa sei dahingehend sehr aufschlussreich Es ist wahr Anfangs reizte mich bloß die ungewohnte Fülle und Macht aufsprossend in dem Kinderherzen daß ich prüfend und probend an sie trat daß ich die Kinderlippen an mich riß – aber eine Seele tief wild groß und dichterisch wie meine wuchs aus dem Kinde an mich daß ich erschrak aber nun auch mich im Sturme an sie warf namenlos untrennbar Gluth um Gluth tauschend Seligkeit um Seligkeit – Weib Du warst damals ein Kind aber die Kinderlippen entzückten mich mehr als später jede Freude der Welt sie glühten sich in mein Wesen unauslöschlich – ein Königreich warf ich weg um diese Kinderlippen  – und nun bin ich hier  um nichts auf der ganzen Erde mehr bittend als wieder um diese Kinderlippen Die Geschichte sei eigentlich eine Parabel von Jungfräulichkeit und Schändung Fortwährend sei die Rede von Vor und Hineindringen immer tiefer und tiefer in das Tal hinein Eine sicherlich provokante Interpretation die aber weitaus interessanter zu lesen war als Stifters langweilige Biedermeierprosa Birthday passiert sehr lange nichts dann bricht das Unglück herein So ungefähr lässt sich die gesamte Dramaturgie von Adalbert Stifters Erzählung Der Hochwald in einem Satz zusammenfassen Die idyllische Natur des Böhmerwalds ist das tragende Element dieser Liebesgeschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg Ein Freiherr bringt seine zwei Töchter Clarissa und Johanna vor den nahenden Kriegshandlungen in Sicherheit indem er sie einem alten Freund anvertraut Dieser führt die beiden Mädchen mit ihrem Gesinde zu einem abgelegenen Bergsee wo sie in einer Hütte das Ende der Gefahr abwarten sollen Der überwiegende Teil der Erzählung besteht aus malerischen Beschreibungen der Waldeinsamkeit die sich aus heutiger Sicht nahe am Kitsch bewegen Allerdings erfreut sich solche Waldesoterik nebst Glauben an eine beseelte Natur auch in unseren modernen Zeiten einer ungebrochenen Popularität Man schaue nur mal auf den Bestseller Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben Im Grunde war Adalbert Stifter so etwas wie ein Vorgänger vom Förster der Nation denn bei ihm haben die Bäume schon damals miteinander gesprochen Menschen die öfters Waldduschen Das gibt es wirklich nehmen und gerne lesen wären mit Stifters Der Hochwald zweifellos gut beraten Der Rest der Handlung ist kaum der Rede wert Ein geheimnisvoller Jüngling tritt auf der die schöne Clarissa aus dem seelischen Gleichgewicht bringt Am Ende fließen Tränen und still ruht der SeeWenn es allein um die Naturszenen ginge wäre das Ganze noch zu ertragen Wirklich ungenießbar ist Stifters Darstellung der beiden Schwestern Clarissa und Johanna Er betreibt geradezu einen Jungfrauenkult um die beiden Schöne edle sanftmütige engelsgleiche Geschöpfe sind die Mädchen – Inkarnationen der Keuschheit Das sind keine glaubhaften Frauenfiguren sondern mit klebrigem Zuckerguss überzogene Phantasiegestalten W G Sebald hat in dem Zusammenhang noch auf eine weitere Dimension in Stifters Erzählung hingewiesen s Die Beschreibung des Unglücks Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke Er sieht in der auffälligen Betonung der Kindlichkeit im Text einen Ausdruck unausgelebter erotischer Wünsche Besonders eine Passage zwischen Ronald dem Jüngling und Clarissa sei dahingehend sehr aufschlussreich Es ist wahr Anfangs reizte mich bloß die ungewohnte Fülle und Macht aufsprossend in dem Kinderherzen daß ich Soonish: Ten Emerging Technologies That'll Improve and/or Ruin Everything prüfend und Discordia probend an sie trat daß ich die Kinderlippen an mich riß – aber eine Seele tief wild groß und dichterisch wie meine wuchs aus dem Kinde an mich daß ich erschrak aber nun auch mich im Sturme an sie warf namenlos untrennbar Gluth um Gluth tauschend Seligkeit um Seligkeit – Weib Du warst damals ein Kind aber die Kinderlippen entzückten mich mehr als später jede Freude der Welt sie glühten sich in mein Wesen unauslöschlich – ein Königreich warf ich weg um diese Kinderlippen  – und nun bin ich hier  um nichts auf der ganzen Erde mehr bittend als wieder um diese Kinderlippen Die Geschichte sei eigentlich eine Parabel von Jungfräulichkeit und Schändung Fortwährend sei die Rede von Vor und Hineindringen immer tiefer und tiefer in das Tal hinein Eine sicherlich Stage Mum provokante Interpretation die aber weitaus interessanter zu lesen war als Stifters langweilige Biedermeierprosa

Adalbert Stifter î 9 read

Nde Liebesgeschichte vor der Kulisse des Dreißigjährigen Krieges Der vom Vater abgelehnte Freier eines Mädchens sucht seine Angebetete in deren Waldversteck auf und verspricht sich für die Schlichtung der Kämpfe zwisch Die Erzählung ist eine kostbare Miniatur allerdings auf uns vom Duktus und stilistischen Gepräge antiuiert wirkend was vielleicht ja weniger gegen den Text als gegen uns spricht Da ist zum einen eine Geschichte über ein verheerendes Missverständnis das aber nur wie am Rande erzählt wird zum anderen gibt es da Figuren die auf uns so idealistisch wirken dass sie in ihrer porzellanenen Starrheit ständig zu zerbrechen drohen Und schliesslich sind da die ebenso detaillierten wie sinnstiftenden Schilderungen mit ihrer vielschichtigen Metaphorik die nicht nur ein genaues Bild der Landschaften vor dem inneren Auge erscheinen lässt sondern implizit eine Zivilisationskritik enthält wie sie viel direkter und offener im Nachsommer Thema ist